Wie wird man Hospizhelfer*in?

Der Einsatz ehrenamtlicher Hospizhelfer*innen ist fuer den Hospizdienst mit einer hohen Verantwortung gegenueber dem zu Begleitenden wie auch gegenueber den ehrenamtlichen Helfer*innen verbunden. Daher ist das folgende Procedere eine verbindliche Absprache der im Hospiz- und PalliativVerband Berlin vertretenen Dienste:

Bei Interesse an der ehrenamtlichen Mitarbeit als Begleiter*in, werden die Interessierten zunaechst gebeten, einen Fragebogen, den wir Ihnen per Post oder Mail zusenden, zu beantworten.

Erhalten wir diesen ausgefuellt zurueck, laden wir die Interessent*innen zu einem Einzelgespräch ein, in dem geklaert werden kann, ob die gegenseitigen Erwartungen und Ansprueche Uebereinstimmung finden.
Zur Sprache kommt beispielsweise, aus welcher Motivation die ehrenamtliche Arbeit erfolgt, in welchem Rahmen die zeitliche Verfuegbarkeit besteht, welche Verbindlichkeit gegenseitig erwartet werden kann oder wie die Bereitschaft zur Teamarbeit aussieht.

Weiterhin ist die Teilnahme an dem nachfolgend ebenfalls beschriebenen Vorbereitungskurs eine unverzichtbare Voraussetzung.

I. Grundkurs

In diesem ersten theoretischen Block des Vorbereitungskurses, der aus 12 Kurseinheiten á 3 Zeitstunden besteht, werden den Teilnehmer*innen Grundkenntnisse vermittelt ueber eine erworbene Immunschwaeche durch HIV. Weiterhin geht es um die Auseinandersetzung mit Lebenszusammenhängen der an AIDS Erkrankten, die fuer die Begleitung wichtig sind. Dazu werden Grundelemente der Kommunikation und Grundhaltungen der Begleitung thematisiert.
Der Kurs gliedert sich daher in folgende Einheiten:

  1. Kennenlernen der TeilnehmerInnen, Absprechen von Terminen, Ueberblick ueber die Entwicklung und Arbeitsweise der Hospizbewegung
  2. Die Infektion mit HIV: Virologie, Infektionswege, Testverfahren, Stadien der HIV-Infektion
  3. AIDS: opportunistische Erkrankungen,Therapiemoeglichkeiten
  4. Wahrnehmen: Sensibilitaet entwickeln in der Begleitung eines Sterbeprozesses
  5. Mitgehen: die eigene Rolle als BegleiterIn reflektieren, aufmerksam werden fuer den Weg eines Sterbenden
  6. Abhaengigkeit: was bedeutet Abhaengigkeit fuer mich?, Suchtentwicklung und ihre Herausforderungen in der Begleitung, Pflegeabhaengigkeit
  7. Sexualitaet: Reflexion zum Umgang mit der eigenen Sexualitaet und der Sexualitaet anderer Menschen
  8. Zuhoeren: Grundlagen des aktiven Zuhoerens, Gespuer entwickeln fuer die Mitteilungen des anderen
  9. Verstehen: Was heisst es, Verstaendnis zu haben?, Verstaendnis entwickeln fuer die Symbol- und Koerpersprache von Sterbenden
  10. Weitergehen: aufeinander achten, um gemeinsam auf dem Weg zu bleiben, die eigenen Grenzen erkennen, Kraftquellen entdecken
  11. Bleiben: Was laesst mich aushalten?, Frage nach Naehe und Distanz
  12. Loslassen: Auseinandersetzung mit den Zumutungen des Loslassens und des eigenen Umgang mit Abschieden

Nach dem Ende des Grundkurses werden Einzelgespraeche mit den Teilnehmer*innen gefuehrt, um die weiteren Schritte der Vorbereitung zu vereinbaren.

II. Praktikumsphase

In dieser Phase machen die Teilnehmer*innen konkrete Erfahrungen in der Begleitung, d.h. sie sind mindestens einmal pro Woche im Begleitungseinsatz. Um aus der Praxiserfahrung die eigene Haltung als Hospizhelfer*in zu reflektieren und sich weiter mit Themen der Hospizarbeit auseinanderzusetzen, finden in dieser Zeit jeweils einmal monatlich sowohl Treffen in der Kursgruppe wie auch Treffen in der Gruppe aller ehrenamtlichen Hospizhelfer*innen (Reflexions- und Themenabende) statt.

III. Vertiefungskurs

Nach dem Praktikumsblock bildet der Vertiefungskurs einen zweiten Theorieblock des Vorbereitungskurses. Der Schwerpunkt der 3stuendigen Kurseinheiten liegt nun auf der weiteren Klaerung der Motivation und Rolle als Hospizhelfer*in und in der vertieften Auseinandersetzung mit Themen, die in der letzten Lebensphase relevant werden koennen.

  1. Gerufen: gerufen in die Aufgabe, Schwerkranke und Sterbende zu begleiten, Abklaeren der eigenen Motivation
  2. Gefragt: gefragt sein als Begleiter*in, zugesprochene und angefragte Kompetenz, individuelle Helferrollen, Grenzen und Gefahren des Helfen-Wollens
  3. Bedacht: die eigene Lebensgeschichte und das Lebensende bedenken, anderen dabei nahe sein, die Biografie eines Menschen als Ausdruck seiner Persoenlichkeit wahrnehmen
  4. Geloest: sich einem anderen anvertrauen, Bedeutung von Bindungen und Verbindlichkeit, Loesungsstrategien in Problemsituationen, Umgang mit ungeloesten Konflikten
  5. Gedeutet: bei sich und bei anderen Lebensthemen entdecken und unterschiedlichen Lebensdeutungen begegnen, Schuld, Angst, Versagen, Hoffnung, Dankbarkeit, Glueck im Angesicht des Todes
  6. Begrenzt: ist jedes Leben durch den Tod, jedes Leben vollzieht sich in der Spannung zwischen dem Anerkennen und dem Ueberschreiten von Grenzen, Bedeutung von Grenzen fuer das eigene Leben
  7. Entdeckt: das Wesentliche im Leben in den Blick nehmen, welche Praegungen tragen wir in uns, Suche nach eigener und fremder Spiritualitaet
  8. Bewegt: Was hat uns im Verlauf des Kurses bewegt? Von der Hospizidee bewegt sein; Welche Begabungen bringe ich in die Begleitung ein? Wie werde ich eingesetzt?

Nach Abschluss des Kurses finden wiederum Einzelgespraeche statt, um Absprachen hinsichtlich des Einsatzes als Hospizhelfer*in zu treffen.

Selbstverstaendlich unterliegen die Mitarbeiter*innen schon waehrend des Vorbereitungskurses und im spaeteren Einsatz der Schweigepflicht!

Kontaktadresse:

Hospizdienst TAUWERK e.V.
Mühlenstr. 45/II
13187 Berlin

Tel.: 030/4700 4500
Fax: 030/4700 5868

Mail: hospiztauwerk@aol.com


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